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Naturwälder

Was ist ein Naturwald?
Warum Naturwaldgebiete?
Das luxemburger "Naturbësch"-Projekt
Der "Beetebuerger Bësch" und der "Ënneschte Bësch" in Bartringen als Naturwaldgebiet
Was bedeutet die Ausweisung als Naturwaldgebiet für den Besucher?

Was ist ein Naturwald?

Naturwald

Naturwälder sollen sich, von menschlichen Eingriffen ungestört, frei entwickeln können und uns so einen kleinen Einblick in die Naturlandschaft Europas geben.

Naturwaldgebiete sind Schutzzonen in denen auf jegliche forstliche Nutzung verzichtet wird. Auch bei Kalamitäten, etwa Sturmwurf, finden keine Maßnahmen statt. Der Wald soll sich frei von menschlichen Eingriffen entfalten, so dass alle natürlichen Entwicklungsprozesse ungestört ablaufen können. In unseren Wäldern, die von einer jahrhundertealten Forstwirtschaft geprägt und verändert sind, entstehen so langfristig wieder kleine "Urwälder", die uns eine Vorstellung davon geben, wie natürliche Wälder in Europa aussehen würden.

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Warum Naturwaldgebiete?

Luxemburg besitzt –auch europaweit und sogar global gesehen- naturschützerisch sehr wertvolle Wälder, für deren Erhalt eine naturnahe Forstwirtschaft eine große Rolle spielt. Verschiedene, besonders anspruchsvolle und gefährdete Tier- und Pflanzenarten können aber selbst in naturnah bewirtschafteten Wäldern nicht den notwendigen Lebensraum finden. Für sie sind besondere Schutzzonen wichtig, in denen ganz auf die Bewirtschaftung verzichtet wird. In solchen Naturwaldgebieten erreichen Bäume ein weitaus höheres Alter als in Wirtschaftswäldern, man findet mehr altes und abgestorbenes Holz, sowie eine höhere Strukturvielfalt. All diese Faktoren haben ein große Bedeutung für viele seltene Waldbewohner, etwa für verschiedene Vogelarten, für holzbewohnende Käfer ür Pilze.
Auch aus wissenschaftlicher Sicht sind naturbelassene Wälder von großem Interesse, z.B. zum Sammeln von Erkenntnissen für den naturgemäßen Waldbau oder als Dauerbeobachtungsflächen über die Auswirkungen von Umwelteinflüssen und Klimaveränderungen. Schließlich können Naturwälder auch eine pädagogische Funktion haben.
Foto (fehlt)
Naturwaldgebiete sind wichtig für viele Tier- und Pflanzenarten. Untersuchungen in Deutschland haben gezeigt, dass sich z.B. der Bestand verschiedener Spechtarten in Naturwaldgebieten bereits 10 Jahre nach der Nutzungsaufgabe mehr als verdoppelt hatte.

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Das luxemburger << NaturbËsch >> -Projekt

Naturwals Karte

Karte des vorgeschlagenen Naturwaldnetzes
mit 33 Gebieten.
Der "Ënneschte Bësch" und der "Beetebuerger Bësch" tragen die Nummern 29 resp. 31.
(Die Karte kann durch Anklicken vergößert werden. 1200 x 1600 px, 170 kB)

Aus all diesen Gründen wurde vom Umweltministerium beschlossen, ein entsprechendes Naturwaldnetz einzurichten. Ziel des Projekts "Naturbësch" ist es, bis zum Jahr 2010 5% der Waldfläche als Naturwaldreservate auszuweisen.
Das Konzept des Umweltministeriums sieht vor, über das ganze Land verteilt unterschiedliche Naturwaldgebiete auszuwählen, die die Vielfalt der Waldtypen Luxemburgs widerspiegeln. Diese Gebiete haben eine Mindestgröße von 50 ha und werden anhand ihrer Naturnähe ausgewählt. Ein Kriterium für die Auswahl sind auch die Besitzverhältnisse, da die Reservate vorrangig in Staats- oder Gemeindehand sein sollten.
In Zusammenarbeit mit den Gemeinden will die Forstverwaltung in den nächsten Jahren dieses Naturwaldnetz aufbauen. Die Wälder werden als Naturschutzgebiete ausgewiesen, in denen auf jegliche Nutzung verzichtet wird. Eingriffe finden nur noch längs der Wege statt, wenn die Sicherheit der Besucher dies erfordert. Parallel dazu werden Informationstafeln den Besucher über das Schutzgebiet informieren und gegebenenfalls sollen auch Führungen und pädagogische Aktivitäten stattfinden.

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Der
>> Beetebuerger BËsch <<
und der
>> Ënneschte BËsch <<
in Bartringen als Naturwaldgebiet

Naturwald

Der "Beetebuerger Bësch" zeichnet sich durch zum Teil sehr alte Buchenbestände und ein abwechslungsreiches Mosaik von Waldgesellschaften aus.

Zwei der ausgewählten Gebiete sind der "Beetebuerger Bësch" zwischen Abweiler und Leudelingen und der "Ënneschte Bësch" in Bartringen. Der "Beetebuerger Bësch" ist größtenteils ein Buchenwald. In feuchteren Lagen tritt jedoch auch Eichen-Hainbuchenwald auf. Das Gebiet zeichnet sich durch das Vorkommen mehrerer kleiner Fließgewässer und Quellaustritte aus, die zu unterschiedlichen Boden- und Feuchtigkeitsverhältnissen führen und für ein vielfältiges Muster verschiedener Waldgesellschaften sorgen. Der "Ënneschte Bësch" ist überwiegend ein feuchter Eichen-Hainbuchenwald, besitzt aber auch an den trockeneren Standorten Buchenwälder. Er zeichnet sich durch das Vorkommen alter, breitkroniger Eichen und einen sehr geringen Nadelholzanteil aus. Interessant sind in verschiedenen Bereichen die üppige Strauchschicht und ein hoher Totholzanteil, was zur Strukturvielfalt des Waldes beiträgt.
Die SICONA-Gemeinden Bettemburg, Bartringen und Leudelingen, in deren Besitz sich die beiden Waldgebiete befinden, haben als erste luxemburger Gemeinden beschlossen, sich mit einem Teil ihres Gemeindewaldes am "Naturbësch"-Projekt beteiligen. Zur Zeit läuft die Ausweisungsprozedur der beiden Gebiete. Dazu wurden biologisch, forstlich, administrativ und sozial relevante Daten zusammengestellt, die für die Ausweisung als Schutzzone und das spätere Management der Gebiete benötigt werden. Ende 2003 fanden Informationsversammlungen statt, bei denen interessierte Bürger sich an einer Diskussion über das Naturwaldgebiet beteiligen konnten. Vorschläge, die bei diesen Diskussionen gemacht wurden, wurden ebenfalls im Rahmen des Schutzkonzeptes berücksichtigt.
Die Ausweisungsprozedur selbst wird vermutlich im Herbst/Winter 2004 abgeschlossen. Während der Prozedur kann das Projekt bei den Gemeinden eingesehen werden und jeder Bürger hat die Möglichkeit seine Position und gegebenenfalls auch seine Einwände einzubringen.

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Was bedeutet die Ausweisung als Naturwaldgebiet für den Besucher?

Naturwald

Der "Enneschte Bësch" gehört zu den schönsten naturnahen Eichen-Hainbuchenwäldern Luxemburgs.

Die Ausweisung des "Beetebuerger Bësch" und des "Enneschte Bësch" als Naturwaldgebiete wird für den Besucher keine wesentlichen Veränderungen mit sich bringen. Spaziergänger, Jogger, Radfahrer und Reiter dürfen auch weiterhin die Wege benutzen. Langfristig soll jedoch im "Beetebuerger Bësch" die Wegeführung verändert werden, um größere Ruhezonen zu schaffen. Die Jagd wird weiterhin ausgeübt, wobei in Naturwaldgebieten jedoch bestimmte Regeln gelten werden.
Generell sollen Besucher in den Naturwaldgebieten nicht ausgesperrt werden. Vielmehr sollen die Wälder eine Naturerfahrung ermöglichen, die in unserer Landschaft sonst nicht mehr möglich ist: Natur zu erleben, die vom menschlichen Handeln weitgehend unberührt ist. Parallel zur Ausweisung der Gebiete sollen deshalb Naturerfahrungs- und Informationsangebote entstehen. Wegen der hohen Besucherzahlen wird im "Ënneschte Bësch" ein erster Lehrpfad ausgearbeitet, der über Schutzziele und Besonderheiten des Gebietes informiert. In anderen Gebieten sollen ähnliche Maßnahmen folgen.

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