Ganz im Sinne des EU-Renaturierungsgesetzes
Wie wichtig es ist, Lebensräume wiederherzustellen und in einen intakten Zustand zu versetzen, zeigt das im Juni 2025 verabschiedete Nature Restoration Law der EU.
Seit über 25 Jahren führt SICONA Maßnahmen zur Renaturierung durch und hat dadurch bis heute rund 300 ha artenreiches Grünland wiederhergestellt, einen Großteil davon in Natura 2000-Gebieten. Nach den Vorgaben des Nationalen Naturschutzplans sollen landesweit langfristig 4.000 ha degradierte magere Mähwiesen wieder in einen besseren Erhaltungszustand kommen und zu europäisch geschützten Mageren Flachlandmähwiesen entwickelt werden. Weitere Zielsetzungen gibt es auch für andere Wiesentypen wie die Feuchtwiesen. Es gibt also noch einiges zu tun.
Extensiv bewirtschaftete landwirtschaftliche Flächen sind ein Hotspot des Artenreichtums. Das gilt sowohl für unsere Tier- als auch unsere Pflanzenwelt. Dennoch wurden und werden solche Flächen immer seltener. Gründe für den Rückgang sind vor allem der landwirtschaftliche Strukturwandel der vergangenen Jahrzehnte, aber auch die steigende Zersiedelung. Durch zunehmende mineralische Düngung sowie mehrmalige und frühere Nutzungstermine kommt es zu einer starken Artenverarmung. Der Nationale Naturschutzplan sieht in Anlehnung an die europäische Biodiversitätsstrategie Maßnahmen vor, um die Erhaltung und die Wiederherstellung der artenreichen Wiesen und Weiden zu fördern. Auch der derzeit in Ausarbeitung befindliche nationale Wiederherstellungsplan wird konkrete Zielsetzungen zur Wiederherstellung der Ökosysteme beziffern.
Mehr zur Wertigkeit von artenreichem Grünland
Verfahren
Bei Grünlandrenaturierungen werden auf artenverarmten Wiesen und Weiden Diasporen (Samen) typischer Pflanzenarten ausgebracht. Um diese Arten – darunter zahlreiche sogenannte Magerkeitszeiger – einzubringen, setzt SICONA auf gleich mehrere Renaturierungsmethoden ( Schneider & Wolff 2025, Schneider & Breit 2024):
- Mahdgutübertragungen
- Ansaat von Wiesenmischungen, die zuvor mittels einem „Seedharvester“ geerntet wurden
- Ansaat gebietsheimischer Wildpflanzensaatgutmischungen aus zertifizierter Herkunft
Bei der Mahdgutübertragung wird das Mahdgut, das auf noch gut erhaltenen artenreichen, alten Wiesen der Umgebung gewonnen wird, direkt auf die zu renaturierende Fläche übertragen – wie es der Name schon verrät. Um Wiesenmischungen zu ernten, wird ebenfalls eine artenreiche Spenderfläche mit einem sogenannten Seedharvester beerntet und die Samen direkt oder später übertragen. Um noch mehr artenreiches Grünland zu renaturieren, stehen die LUX-Mischungen von „Wëllplanzesom Lëtzebuerg“ zur Verfügung. Dieses Wildpflanzensaatgut wird in Luxemburg von der Genossenschaft nach biologischen Kriterien und unter den Zertifizierungsvorgaben von Wëllplanzesom Lëtzebuerg produziert.
Bei allen Verfahren steht an erster Stelle die Bodenbearbeitung der Renaturierungsfläche, bei der die Grasnarbe oberflächlich geöffnet wird. Auf dieses Saatbett wird dann im Sommer frisches Mahdgut oder im Frühling oder Herbst die Wiesenmischungen von den Spenderflächen oder die Wildpflanzensaatgutmischungen ausgebracht. Nach der Keimung der Samen können sich die Pflanzen etablieren und sich über die Jahre in der gesamten Fläche ausbreiten. Durch ein wissenschaftliches Monitoring wird die Entwicklung der renaturierten Flächen zur Erfolgskontrolle begleitet. Wichtig ist, dass die Flächen im Idealfall sowohl vor als auch nach der Renaturierung extensiv, d. h. ohne den Einsatz von Pestiziden und mineralischem Dünger, genutzt werden. Dadurch können sich die Flächen zu arten- und kräuterreichen Wiesen und Weiden mit hoher Futterqualität entwickeln.
Ergänzend zu den flächigen Renaturierungsverfahren werden einzelne Zielarten, deren Übertragung mittels der obigen Verfahren schwieriger ist, gezielt als Jungpflanzen in die Renaturierungsflächen gepflanzt. Dabei werden sie in Gruppen von etwa 100 bis 200 Individuen ausgepflanzt. Bisher wurden so von SICONA über 30 Arten mit rund 30.000 Individuen seltener und gefährdeter Arten ausgepflanzt.
Erfolgskontrolle & Fachaustausch
Die Monitoringdaten unserer Mahdgutübertragungen zeigen, dass dies ein hochwertiges Verfahren zur Etablierung von Grünlandarten ist, mit dem der auf europäischer und nationaler Ebene geschützte Lebensraumtyp Magere Flachlandmähwiese erfolgreich wiederhergestellt werden können (Biro et al. 2024). Auch zeigen die Entwicklungen unserer Ansiedlungen seltener Pflanzenarten schöne Erfolge (Schneider et al. 2025, Breit et al. 2023).
Das Netzwerk Renaturierung fördert den Erfahrungsaustausch im Bereich der Renaturierung zwischen Wissenschaftlern und Praktikern und stellt Kontakte und Expertisen für effiziente, nachhaltige Lösungen in der Renaturierungsökologie bereitstellen. Regelmäßiger Fachaustausch bereichert die gemeinsamen Zielsetzungen und festigt Kooperationen. SICONA ist seit einigen Jahren fester Bestandteil des Netzwerk Renaturierung.
Literatur
Breit, F. & S. Schneider, 2026. Leitfaden zur Ansiedlung von Pflanzenarten als Naturschutzmaßnahme im Großherzogtum Luxemburg. Olm, 76 S. [PDF 9,5 MB]
Schneider, S. & C. Wolff, 2025. Renaturierungsverfahren im mesophilen Grünland – ein Erfahrungsbericht aus der Praxis aus Luxemburg. – In: Ssymank, A., Müller, C. & M. Röhling (Hrsg.): Natura 2000 – Renaturierung und Pflege von Grünland-Lebensraumtypen. Möglichkeiten und Potentiale der Grünlandrenaturierung. BfN-Schriften 738: 61–92. [PDF 7,9 MB]
Schneider, S., 2024. Methoden zur Wiederherstellung artenreichen Graslandes: Erfahrungen aus 20 Jahren Renaturierungspraxis in Luxemburg – Vorgehensweisen und Tipps.– In: Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN)(Hrsg.): Wiederherstellung und Pflege artenreicher Borstgrasrasen. Fachaustausch im Rahmen des IP-LIFE-Projektes „Atlantische Sandlandschaften“: 293–304. Informationsdienst Naturschutz Niedersachsen 43(4) (4/24) [PDF 15 MB]
Biro, B., Wolff, C. & S. Schneider, 2024. 10 Jahre Monitoring belegen die Wiederherstellung Magerer Flachlandmähwiesen in Luxemburg. Natur und Landschaft 4: 161–173. https://doi.org/10.19217/NuL2024-04-01
Schneider, S., Breit, F., Frankenberg, T., Walisch, T. & L. Daco, 2024. Overview of plant species translocations in Luxembourg. Bulletin de la Société des naturalistes luxembourgeois 126: 147–183. DOI: 10.59513/snl.2024.126.147 [PDF 2,5 MB]
Schneider, S. & F. Breit, 2024. Faktoren eines Erfolgskonzeptes. Schulterblick: Erfahrungsaustausch zu Renaturierungen von artenreichem Grünland. In: Naturschutz und Landschaftsplanung, 56 (07): 32–35. Online unter: https://www.nul-online.de
Schneider, S., Duprez, V. & T. Helminger, 2024. Wëllplanzesom Lëtzebuerg – Vermehrung von Wildpflanzen-Saatgut zur naturnahen Begrünung und Renaturierung. Naturschutz und Landschaftsplanung 56 (02): 34 –37. Gesamtausgabe NuL 56(2)
Breit, F., Albrecht, H. & S. Schneider, 2023. Wiederansiedlung gefährdeter Arten der Pfeifengraswiesen in Luxemburg. Tuexenia 43: 229–258. DOI: 10.14471/2023.43.005
Last update 06.07.2026