Ackerwildkräuter:

Auf der Suche nach fast verschwundenen Arten

Ackerwildkräuter sind keine „Un“-kräuter, sondern ein wesentlicher Indikator für die Artenvielfalt und das Ressourcenangebot in der Agrarlandschaft. Jedoch sind in Luxemburg durch den Strukturwandel und dem einhergehenden Einsatz von Herbiziden, Dünger und Kalk, der Vereinheitlichung der Ackerflächen und der Saatgutreinigung, bereits 20 % aus unseren Feldfluren verschwunden. Von den rund 200 typischen Arten befindet sich die Hälfte auf der Roten Liste der bedrohten Arten.

Ackerwildkräuter sollten nicht nur aus ethischen Gründen erhalten werden, sondern stellen auch eine wichtige ökosystemare Grundlage für die Fauna sowie den Ressourcenschutz unserer Kulturlandschaft dar. Die Ackerwildkrautflora erhalten und fördern bedeutet dem Insektensterben entgegenzuwirken, denn artenreiche Ackerfluren erhöhen die Lebensraumvielfalt und das Nahrungsangebot für Insekten und Vögel.

Zu den seltenen Pflanzenarten gehören: Acker-Rittersporn, Acker-Wachtelweizen, Acker-Lichtnelke, Acker-Löwenmäulchen, Venus-Frauenspiegel, Eiblättriges Tännelkraut, Dreiteiliger Ehrenpreis, Sand-Mohn, Kleiner Mäuseschwanz und viele mehr! Eine bereits seit einigen Jahrzehnten in Luxemburg ausgestorbene Art ist die Kornrade.

Acker-Löwenmäulchen
(Misopates orontium)

Sand-Mohn
(Papaver argemone)

Venus-Frauenspiegel
(Legousia speculum-veneris)

Wie Kartierungen naturschutzrelevanter Äcker zum Erhalt beitragen

Die systematischen Kartierungen der wissenschaftlichen Abteilung des SICONA in den Mitgliedsgemeinden geben Auskunft über die Vorkommen seltener Arten. Die Äcker werden anhand der vorkommenden typischen Pflanzenarten bewertet. Bislang wurden bereits über 5.000 ha Ackerfläche in 20 SICONA-Gemeinden kartiert. Die Kartierungen dienen dem wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn: Die gewonnenen Daten zum Vorkommen der Arten werden in die nationale Datenbank eingespeist. Dies ist die Voraussetzung für eine aktuelle Gefährdungseinschätzung auf regionaler und nationaler Ebene.

Was kann man tun?

Die Äcker, auf denen bzw. an deren Rändern noch gefährdete Ackerwildkräuter vorgefunden werden, sollen bei Schutzbemühungen bevorzugt berücksichtigt werden. Die Kartierungen geben Auskunft über die Lage solcher Feldrandabschnitte. Welche Äcker sollen aufgrund der Restvorkommen besonders stark gefährdeter Arten als „Schutzäcker“ fungieren? Welche Seite eines Feldes ist zur Anlage eines „Ackerrandstreifens“ besonders geeignet? Diese Fragen lassen sich für das jeweilige Gemeindegebiet nach erfolgter Kartierung beantworten.  Landwirte können bei Vertragsnaturschutzprogrammen („Biodiversitätsprogramme“) mitmachen und an den Rändern oder auf der gesamten Ackerfläche auf den Einsatz von Herbiziden verzichten und dafür eine Ausgleichszahlung erhalten. Dies dient dem Erhalt der kleinen seltenen Pflanzenarten.

Schutzacker und Ackerrandstreifen von 3 bis 20 Meter Breite, in denen keine Pflanzenschutzmittel, mechanische Unkrautbekämpfung oder Untersaat zum Einsatz kommen, können dem Rückgang der seltenen Arten erfolgreich entgegenwirken. Feldflorareservate geben den seltenen Arten die Möglichkeit neue Populationen aufzubauen. Dazu werden Samen von heimischen Ackerwildkräutern ausgesät und die Fläche wird extensiv genutzt.

Der Schutz der Ackerwildkräuter ist ein wichtiger Teil der allgemeinen Strategie des Umweltministeriums zum Erhalt und zur Förderung der gefährdeten Pflanzenarten in Luxemburg. Die konsequente Umsetzung der nationalen Aktionspläne für einige Ackerwildkräuter sowie die Verankerung dieser Thematik im neu eingeführten Naturpakt für die Gemeinden sind bedeutende Elemente, um diese ehemals weit verbreiteten Arten wieder vermehrt auf den Feldern Luxemburgs anzutreffen. Bereits vor einigen Jahren wurde – initiiert durch SICONA – die Bartringer Erklärung zum Schutz der Ackerbiozönosen in Luxemburg verabschiedet. Sie enthält wichtige Vorschläge für konkrete Maßnahmen zum Schutz der gefährdeten Ackerarten. Da der Ackerwildkrautschutz SICONA sehr wichtig ist, wurden in den vergangenen Jahren (2014 & 2017) wissenschaftliche Tagungen organisiert und bereits zahlreiche Maßnahmen umgesetzt.

Erfahren Sie mehr über die seltenen Ackerwildkräuter und deren Schutzmaßnahmen!
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