Schleiereule (Tyto alba)

Die Schleiereule

Die Schleiereule ist unsere einzige Eulenart, die auf Dörfer als Lebensraum angewiesen ist und in direkter Nähe des Menschen lebt. Da sie empfindlich auf lange, schneereiche Winter reagiert, haben ihre Bestände schon immer stark geschwankt. Heute ist das Problem aber, nach einem solchen Winter wieder eine starke Population aufzubauen.

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Steckbrief Schleiereule (Tyto alba)

Erkennungsmerkmale    von Nahem unverkennbar durch den herzförmigen Gesichtsschleier, den weißen Bauch und den hellbraun marmorierte Rücken. Im Flug eine mittelgroße, sehr hell – oft weiß – wirkende Eule

Lebensraum                   Siedlungen, offene Kulturlandschaften und Waldränder

Brutplatz                        Kirchtürme, Scheunen, Hallen, manchmal auch Felsnischen

Gefährdung                   Verschließen von Kirchtürmen und Scheunen

Heimliche Mäusejägerin in unseren Dörfern

Fast wie ein weißes Gespenst  fliegt die Schleiereule lautlos über unsere Dörfer. Auch ihr langgezogener fauchender Flugruf kann einem schon einmal einen Schauer über den Rücken jagen. Keine andere Eulenart ist so häufig in Dorfnähe anzutreffen. Selbst innerhalb von Scheunen geht die geschickte Jägerin auf Mäusejagd. Meistens sucht sie allerdings in der freien Feldflur um die Dörfer nach Beute. Für die Brut bevorzugt sie exponiert stehende, hohe Gebäude in deren Innerem sie Nischen oder Simse für die Eiablage findet. Die Brutperiode reicht in guten Jahren von März bis zum Spätsommer. In mäusearmen Jahren brütet dagegen über die Hälfte der Brutpaare überhaupt nicht.

Die Schleiereule bleibt das ganze Jahr über bei uns. Da sie aber die Eigenart besitzt, kaum Fettreserven zu bilden, werden lange, schneereiche Winter den Tieren oft zum Verhängnis. Weil sie unter der Schneedecke keine Nager mehr finden, verhungert in solchen Jahren ein Großteil der Population. Dies ist kein neues Phänomen, sondern war bei uns schon immer so. Wichtig für die Art ist, dass sie dann die Bestände schnell wieder aufzubauen kann. Das ist möglich, da die Schleiereule bei guter Futterverfügbarkeit Bruten von bis zu 12 Jungtieren haben kann. In guten Jahren werden zwei oder günstigstenfalls sogar drei Bruten aufgezogen. Mit dieser Strategie kann die Schleiereule große Verluste schnell wieder ersetzen. Voraussetzung ist, dass sie ausreichend Nahrung, am liebsten Wühlmäuse, findet.

Die Schleiereule braucht Hilfe

Der Bestand der Schleiereule hängt einerseits vom Vorhandensein von Brutplätzen ab. Diese werden bei uns seltener, da zugängliche alte Scheunen und Schuppen immer mehr durch neue verschlossene Gebäude ersetzt werden. Oder sie werden renoviert und zugemacht, ebenso wie die Kirchtürme, die wegen der Taubenplage vergittert und damit auch für die Schleiereule unzugänglich werden. Ein zweiter wichtiger Faktor ist die Verfügbarkeit von Nahrung. Hier ist die Schleiereule in hohem Maße von der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung abhängig. Das Verschwinden von Rainen, Brachen und Randstrukturen, durch die Zusammenlegung von Parzellen, geht mit dem Verschwinden von Nischen für Nagetiere einher. Hinzu kommt die gestiegene Anwendung von Rodentiziden (Pestizide gegen Nagetiere), die die Landwirtschaft bei hohen Wühlmausbeständen einsetzt. So werden die typischen, sogenannten Wühlmausgradationen verhindert, also Jahre in denen die Wühlmausbestände sehr hoch sind. Genau diese Jahre, die für die Schleiereule wichtig für den Aufbau ihrer Population sind. So lässt sich in Luxemburg beobachten, dass die Schleiereule, die im schneereichen Winter 2012/2013 eine starken Einbruch der Bestände hatte, diesen auch nach 5 Jahren noch nicht ausgleichen konnte.

Um der Schleiereule zu helfen, versucht SICONA zurzeit in jedem Dorf der SICONA-Region mindestens zwei Brutmöglichkeiten für die Schleiereule zu schaffen. Dieses Ziel ist zwar noch nicht überall erreicht, aber es wurden schon bedeutende Erfolge erzielt. Dass die Schleiereule dennoch einen weit niedrigeren Bestand hat als früher, hängt deshalb wahrscheinlich mit der Nahrungsverfügbarkeit zusammen. Allgemeine Biotopverbesserungsmaßnahmen in der Agrarlandschaft, wie SICONA sie in allen seinen Gemeinden durchführt, helfen der Art sicher. Aber wahrscheinlich nur wenn Landwirte eine höhere Toleranz gegenüber von Wühlmäusen zeigen und Rodentizide nur sehr eingeschränkt oder am besten gar nicht einsetzen, kann die Schleiereule bei uns dauerhaft überleben.

Wie können Sie helfen?

Sind Sie Besitzer einer Scheune oder einer Industriehalle? Dann können Sie uns helfen, die Schleiereule zu schützen!
  • Lassen Sie an Ihrem Gebäude einen Schleiereulen-Brutkasten anbringen. Wir helfen Ihnen dabei.
Welche Bedingungen muss Ihr Gebäude erfüllen?
  • Scheune, Schuppen oder Halle von mindestens fünf Meter Höhe;
  • freier Anflug für die Schleiereule.
Wie sehen die Schutzmaßnahmen konkret aus?

Schleiereulen nehmen künstliche Brutkästen gerne an; sie brauchen für ihre Bruten aber relativ viel Raum. Die Brutkästen müssen deshalb als Minimalmaße 50 x 100 cm haben, besser noch größer. Die aus Holz gefertigten Kästen werden normalerweise direkt hinter einer Öffnung oder einem Fenster in mindestens 4 Meter Höhe angebracht. Da Schleiereulen in Gebäude sehr viel Dreck machen, werden gleichzeitig andere Öffnungen verschlossen. So können die Tiere den Brutkasten nutzten, ohne sich im Gebäude aufzuhalten. In den SICONA-Mitgliedsgemeinden werden diese Maßnahmen von uns gratis durchgeführt.

Beispiele von Schutzmaßnahmen für die Schleiereule

SICONA-Mitarbeiter zusammen mit der Feuerwehr von Düdelingen beim Anbringen eines Mauerseglerbrutkastens am Feuerwehrturm.

 

Weiterlesen:

Die Mehlschwalbe

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