Kammmolch: Lebensweise

Der Kammolch unsere größte und zugleich unsere seltenste Molchart, lebt in vegetationsreichen und gut besonnten Gewässern. Wie bei den meisten Amphibien spielen außerhalb der Paarungszeit aber auch Landlebensräume eine wichtige Rolle.

Steckbrief

  • Name: Kammmolch – Triturus cristatus
  • Erkennungsmerkmale: Bis zu 20 cm große Molchart, Rücken dunkel, Bauchseite mit großen schwarze Flecken auf orangefarbenem Grund, Männchen während der Paarungszeit mit gezacktem, an der Schwanzwurzel unterbrochenen Rückenkamm
  • Lebensweise: Verbringt das Frühjahr und den Sommer im Laichgewässer, Herbst und Winter in den Landlebenräumen, wenig mobil
  • Lebensraum: Zur Paarungszeit bis in den Hochsommer warme, vegetationsreiche Gewässer; Landlebensräume: Wälder, Hecken, Saumbiotope am Liebsten in direkter Gewässernähe
  • Fortpflanzung: Eiablage an Wasserpflanzen ab April, danach etwa viermonatige Larvenphase im Wasser
  • Gefährdung: Zerstörung oder Verlandung der Laichplätze, Landschaftszerschneidung, Isolation der Populationen
Von allen heimischen Molchen hat der Kammmolch die stärkste Bindung an die Gewässer. Die Tiere verbringen bis zu fünf Monate im Laichgewässer, deutlich länger als bei den anderen Molcharten und auch länger als die Laichzeit, die in die Zeit zwischen April und Anfang Juni fällt. Auch viele Jungtiere halten sich für längere Zeit in den Gewässern auf und überwintern häufig auch hier.

Wie bei allen Amphibienarten spielen aber auch die Landlebensräume eine wichtige Rolle. Dort verbringen die Tiere den Herbst und müssen auch frostfreie Quartiere für den Winter finden, damit sie nicht erfrieren. Da Kammmolche weniger wanderfreudig sind, als andere Amphibienarten ist eine enge Verzahnung der Landlebensräume mit den Laichgewässern für die besonders wichtig.

Aussehen

Der Kammmolch ist unsere größte Molchart und kann bis zu 20 cm Länge erreichen. Die Männchen sind etwas kleiner als die Weibchen, fallen aber in der Paarungszeit durch ihren gezackten, an der Schwanzwurzel unterbrochenen Rückenkamm auf, der ihnen ein drachenartiges Aussehen verleiht. Die Weibchen bilden keine derartig auffällige Wassertracht aus. Sie sind, wie die Männchen außerhalb der Paarungszeit, an dem gelb bis orangerote gefärbtem Bach mit großen schwarzen Flecken zu erkennen. Diese sind individuell geformt und ermöglichen eine Unterscheidung der Tiere. Der Rücken ist dunkelgrau gefärbt mit undeutlichen schwarzen Flecken und weißer Punktierung im Übergang zur Bachseite.
Ältere Larven sind an den breiten, schwarz gefleckten unteren und oberen Schwanzflossensäumen zu erkennen, von denen sich der obere auf dem Rücken fortsetzt. Die Larven können eine Länge von bis zu 80 mm erreichen und sind damit deutlich größer als die Larven der anderen Molcharten. Während jüngere Larven sich hauptsächlich zwischen Wasserpflanzen aufhalten, sind die älteren Larven vor allem im freien Wasser zu finden.

Lebensraum

Der Kammmolch braucht warme, gut besonnte und vegetationsreiche Gewässer im Offenland. Bei einer zu niedrigen Wassertemperatur nimmt die Fortpflanzungsfähigkeit ab. Das Vorhandensein einer ausgeprägten Ufer- und Unterwasservegetation ist unter anderem für die Eiablage wichtig, da die Weibchen die Eier einzeln zwischen die Teile von Wasserpflanzen kleben. Sehr häufig tritt der Flutende Schwaden (Glyceria fluitans) im Uferbereich von Kammmolch-Gewässern auf. Das Vorkommen von Fischen wirkt sich sehr negativ auf den Kammmolch aus, da Fische Eier und Larven fressen.

Die Gewässeransprüche des Kammmolchs sind höher als die anderer Molcharten und auch der meisten Froschlurche. Er ist deshalb eine wichtige Leitart für den Amphibienschutz. Das heißt: Ist das Gewässer geeignet für den Kammmolch, können die meisten anderen Amphibienarten ebenfalls dort leben.
Im Umfeld der Gewässer müssen geeignete Landlebensräume vorhanden sein, da der Kammmolch nicht sehr weit wandert. Dies können Wälder sein, wo sich die Tiere z. B. unter Baumstümpfen verstecken. Sie halten sich jedoch auch im Offenland und in Hecken und Gebüschen auf und suchen dort unter Steinen, liegendem Totholz, in Mausgängen oder unter Laub- und Vegetationsschichten nach Schutz. Wahrscheinlich nutzt der Kammmolch im Laufe des Jahres unterschiedliche Landlebensräume.

Wanderungen

Wie alle Amphibienarten wandern Kammmolch zwischen ihren Sommer- und Winterlebensräumen, sowie zwischen Land und Wasser. Zwischen März und Mai findet die Frühjahrswanderung vom Winterlebensraum zum Laichgewässer statt; im Juli-August wandern die Tiere zum Sommerlebensraum. Eine erhöhte Wanderaktivität ist auch im Herbst zu beobachten, zum Teil in Richtung Laichgewässer bei aquatischer Überwinterung, zum Teil aber auch in Richtung Wald bei Überwinterung an Land.
Die Wanderungen finden vor allem nachts und bei regnerischem Wetter statt. Die Entfernungen, die die Kammmolche dabei zurücklegen, hängen von der Entfernung zwischen den Landlebensräumen und dem Gewässer ab und liegen im Allgemeinen aber bei maximal 400 bis 600 m. Ein kleiner Teil der Population kann jedoch Distanzen von bis zu mehreren Kilometern zurücklegen, was für die Erschließung neuer Lebensräume wichtig ist.

Fortpflanzung

Das Weibchen legen im Frühjahr mehrere hundert Eier ab, die sie einzeln an Wasserpflanzen kleben. Nach durchschnittlich 15 Tagen (abhängig von der Wassertemperatur) schlüpfen daraus die Junglarven. Anders als die erwachsenen Tiere atmen sie mit Kiemen und können nur unter Wasser leben. Von 1 cm Größe wachsen sie in etwa 4 Monaten bis zu 8 cm heran. Insbesondere die größeren Larven halten sich – anders als die anderer Molcharten – vor allem im offenen Wasser auf. Bei der Metamorphose (der Umwandlung von der Larve zum erwachsenen Tier) entstehen wie bei allen Molchen zunächst die vorderen Gliedmaßen, erst später die hinteren (umgekehrt als bei Froschlurch-Kaulquappen). Die erwachsenen Jungtiere halten sich oft noch länger am Gewässer auf, gehen aber auch an Land und beteiligen sich an den saisonalen Wanderungen, obschon sie erst nach zwei oder drei Jahren geschlechtsreif werden.

Vorkommen und Gefährdung

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