Pfeifengraswiesen – ein ganz besonderer Lebensraum

Das NATURA 2000-Gebiet „Sanem – Groussebesch / Schouweiler – Bitschenheck“: einer der letzten Standorte mit Vorkommen von Pfeifengraswiesen in Luxemburg

Das Gebiet „Bitschenheck“ zeichnet sich durch das Vorkommen äußerst wertvoller Magerwiesen aus und ist eines der bedeutendsten Wiesengebiete Luxemburgs. Neben artenreichen mesophilen Flachlandmähwiesen kommen die besonders seltenen Pfeifengraswiesen hier vor. Die „Bitschenheck“ ist somit eines der Kerngebiete der Verbreitung der Pfeifengraswiesen in Luxemburg. Unter anderem trägt das Gebiet daher einen europäischen Schutzstatus und ist NATURA 2000-Gebiet.

Pfeifengraswiesen – ein ganz besonderer Lebensraum

Pfeifengraswiesen sind nach dem für sie charakteristischen Pfeifengras (Molinia caerulea) benannt. Daneben kommen neben zahlreichen Arten der Feucht- und Frischwiesen weitere besondere und zum Teil sehr seltene Arten, wie die Niedrige Schwarzwurzel (Scorzonera humilis), der Teufelsabbiss (Succisa pratensis), der Heilziest (Stachys officinalis) oder die Kümmelblättrige Silge (Selinum carvifolia), vor. Intakte Pfeifengras-wiesen kommen auf feuchten bis wechselfeuchten, sehr nährstoff-armen Böden vor, sind sehr blütenreich und niedrigwüchsig. Sie gehören aufgrund ihrer floristischen und faunistischen Artenvielfalt sowie des Vorkommens stark gefährdeter Arten zu den wertvollsten, jedoch auch zu den am stärksten gefährdeten Graslandgesellschaften in Luxemburg und darüber hinaus auch in Europa. Daher gehören sie zu den nach der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie geschützten Lebensräumen. In Luxemburg gibt es nur noch sehr wenige Gebiete, in denen Pfeifengraswiesen vorkommen: Die „Bitschenheck“ ist daher von zentraler Bedeutung für den Schutz dieses besonderen Wiesentyps.

[Bild] Pfeifengraswiesen reagieren sehr empfindlich auf eine Nutzungsänderung. Bei Düngung und auch Entwässerung verschwinden die charakteristischen (gefährdeten) Arten. Da die meisten Pfeifengraswiesen irgendwann einmal eine Aufdüngung erfahren mussten, fehlen heute in vielen Wiesen die empfindlichen kennzeichnenden Arten. Und genau hier setzt das LIFE-Projekt der beiden Naturschutzsyndikate an!

Flächenaufkauf und Optimierung der mageren Feuchtwiesen

Im Rahmen des LIFE+-Projektes erwarb die Gemeinde Dippach 2012 ca. 4 ha wertvolle Grünlandflächen im NATURA 2000-Gebiet „Bitschenheck“. Eine regelmäßige, extensive Nutzung, also eine ein- bis zweimalige Mahd ab Mitte Juni und keine Düngung, ist unabdingbar für den Erhalt von artenreichen Wiesen. Daher werden die LIFE-Flächen, wie alle Wiesen in der „Bitschenheck“, weiterhin extensiv von den früheren Nutzern bewirtschaftet.
Bei den aufgekauften Flächen handelt es sich zum überwiegenden Teil um reliktische Pfeifengraswiesen, die noch eine interessante und typische Vegetation aufweisen, in denen die kennzeichnenden und besonders seltenen Arten aber bereits verschwunden sind. Auf diesen Flächen werden diese gefährdeten Arten durch Anpflanzung den Beständen wieder eingebracht. Damit erfolgt nicht nur eine Optimierung dieser mageren, artenreichen Feuchtwiesen, sondern ebenfalls ein Beitrag zur Erhaltung von stark gefährdeten sowie vom Aussterben bedrohten Pflanzenarten.

Unter den aufgekauften Flächen ist auch eine Weihnachtsbaumkultur. Die jungen Tannen und Fichten wurden in 2012 abgeholzt, um eine Wiederherstellung der ehemaligen artenreichen Wiese zu ermöglichen. Dadurch konnte im Rahmen des LIFE-Projekts die Fläche für die landwirtschaftlichen Betriebe der Gemeinde sogar erhöht werden, was den Gemeindeverantwortlichen besonders am Herzen liegt.

[Bild] Magere Feuchtwiesen mit Silau (Silaum silaus), eine typische Indikatorart ehemaliger gut ausgeprägter Pfeifengraswiesen, die im Rahmen des LIFE-Projektes aufgewertet werden.

Aufzucht und Wiederansiedelung gefährdeter Pflanzenarten

Das gezielte Auspflanzen von sehr selten gewordenen Grünlandarten ermöglicht eine Neuausbreitung von diesen Arten, die zwar noch in unserer einheimischen Flora vorzufinden sind, die aber kaum mehr eine Chance auf großflächige Etablierung haben, da sie sich nur noch von ganz wenigen Restpopulationen aus ausbreiten können. Das aktuelle LIFE+-Projekt hat u. a. zum Ziel, gefährdete Arten aufzuziehen und an geeigneten Standorten anzusiedeln.

Begonnen wurde 2012 mit der für Pfeifengraswiesen kennzeichnenden Färber-Scharte (Serratula tinctoria), die in Luxemburg zu den stark gefährdeten Pflanzenarten gehört. In 2012 konnten insgesamt 280 Pflanzen der Färber-Scharte aufgezogen und die 160 kräftigsten auf etwa 7 ha LIFE-Flächen im August 2012 ausgepflanzt werden. Die restlichen Pflanzen wurden überwintert und werden nun im Herbst 2013 ausgebracht. Von den in 2012 ausgepflanzten Jungpflanzen ist die Hälfte gut angewachsen, einige größere Pflanzen haben bereits diesen Sommer geblüht und Samen gebildet. Ein Teil der Jungpflanzen konnte sich z. B. wegen Schneckenverbiss bislang noch nicht etablieren. Das zeigt, wie schwierig es ist, die seltenen Arten anzusiedeln und wie wichtig es ist, diese Arten vor allem auch an ihren primären Standorten zu erhalten.

[Bild]

In der „Bitschenheck“ wurden in 2012 bereits 40 Jungpflanzen gepflanzt, von denen bislang 13 gut angewachsen sind.

Im Sommer 2013 hat die Aufzucht von weiteren gefährdeten Arten stattgefunden. Diese Jungpflanzen werden nun im Herbst 2013 in den LIFE-Wiesen ausgepflanzt. In den aufgekauften Feuchtwiesen der „Bitschenheck“ werden im Oktober mehrere Hundert Jungpflanzen dieser seltenen Arten ausgepflanzt: Kümmelblättrige Silge (Selinum carvifolia), Teufelsabbiss (Succisa pratensis), Niedrige Schwarzwurzel (Scorzonera humilis) und Färber-Scharte (Serratula tinctoria). Damit werden die Populationen dieser immer seltener werdenden Arten gestärkt und die artenreichen Wiesenbestände aufgewertet.

[Bild] [2 Bilder] Die Niedrige Schwarzwurzel und die Kümmelblättrige Silge –
zwei der vier charakteristischen Arten der Pfeifengraswiesen,
die nun in den LIFE-Wiesen ausgepflanzt werden.

Samen sammeln – eine mühsame Arbeit

Bis zum Auspflanzen der kleinen Pflanzen sind zahlreiche Arbeitsschritte erforderlich. Zunächst werden an mehreren Standorten, an denen diese Arten noch vorkommen, reife Samen von verschiedenen Individuen gesammelt. Dazu ist viel Erfahrung und Geduld notwendig, um den optimalen Reifezustand der Samen abzuschätzen. Die Samen werden dann gereinigt, getrocknet und in geeignete Substrate ausgesät. Über viele Monate erfolgt dann die Aufzucht, verbunden mit mehrmaligem Umtopfen. Erst, wenn die Jungpflanzen groß genug sind, sind sie bereit zum Auspflanzen in den Wiesen.
Die Wiederansiedlungs-Standorte werden ganz genau dokumentiert und die Ansiedelung mithilfe eines Monitorings überwacht. Ein Teil der gesammelten Samen der gefährdeten Arten wird in der Samenbank des Nationalmuseums für Naturgeschichte Luxemburg konserviert.

Dank

Wir möchten wir uns bei der EU-Kommission und dem Delegierten Minister für nachhaltige Entwicklung Marco SCHANK für die finanzielle Unterstützung von 75% für den Flächenankauf im Rahmen des LIFE-Projektes bedanken. Dem Nachhaltigkeitsministerium danken wir für die Unterstützung und Genehmigung zum Sammeln der Samen sowie zur Aufzucht der Arten. Ein besonderer Dank gilt auch den Landwirten, die diese wertvollen Wiesen extensiv bewirtschaften und so ganz entscheidend zu deren Erhaltung beitragen! Ebenso bedanken wir uns beim Naturhistorischen Museum, das uns bei der Wiederansiedlung der gefährdeten Arten unterstützt.

Marc Kintzelé

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