Die Gelbbauchunke:
eine stark gefährdete Amphibienart

Die Gelbbauchunke ist – mit mittlerweile nur noch zwei natürlichen bekannten Vorkommen landesweit – eine der seltensten Amphibienarten Luxemburgs. Obwohl die Art in anderen europäischen Ländern noch größere Vorkommen als in Luxemburg aufweist, so steht es auch europaweit nicht gut um sie. Dementsprechend genießt die Gelbbauchunke nationalen und europaweiten Schutz.

  Steckbrief Gelbbauchunke (Bombina variegata)

  • Erkennungsmerkmale: 3,5 – 5 cm groß; graubraune und mit flachen Warzen besetzte Oberseite, Unterseite gelb mit grau bis schwarzem Fleckenmuster, das so individuell ist wie ein Fingerabdruck und so die Unterscheidung einzelner Tiere ermöglicht; herzförmige Pupille; Paarungsruf dumpf glockenartig und nur über kurze Distanzen hörbar
  • Lebensraum: ursprünglich dynamische Auelandschaften, heute lichte Wälder oder auch Kiesgruben, (ehemalige) Truppenübungsplätze und speziell für die Art hergerichtete Lebensräume im extensiven Grünland; essentiell ist das Vorkommen von temporären, recht vegetationslosen und zumindest teilweise besonnten Kleinstgewässern, die möglichst frei von konkurrierenden Arten und Fressfeinden sind und sich schnell erwärmen; Landhabitat im direkten Umfeld der Gewässer – wichtig ist hier vor allem das Vorhandensein von feuchten, vor der Sonne geschützten Stellen, z. B. Verstecke unter Steinen oder Brettern, in Erdspalten
  • Lebenszyklus & Fortpflanzung: Ankunft an den Laichgewässern ab April; Paarungsaktivität und Ablage von vielen kleinen Laichballen sehr witterungsabhängig und bis in den August hinein erfolgend;
    Entwicklung der Kaulquappen zu kleinen, das Laichgewässer wieder verlassenden Unken innerhalb von 1–2 Monaten
  • Gefährdung: Verlust der ursprünglichen Lebensräume durch Gewässerbegradigungen und sehr spärliches Vorkommen möglicher Ersatzlebensräume durch Ausbau und Befestigung von Wegen, Entwässerungsmaßnahmen, aber auch durch das Fehlen einer Dynamik, die die regelmäßige Neuschaffung von Kleinstgewässern (z. B. auch wassergefüllten Fahrspuren) erlaubt; fehlende Versteckmöglichkeiten in Form von Kleinstrukturen wie Steinmauern und -haufen, Brachestreifen, Holzhaufen…; fehlende Vernetzung durch Isolation der nur wenig wanderfreudigen Populationen; Klimawandel und damit einhergehende lange Trockenperioden; Prädation

Gefährdung & Herausforderungen

Die historisch im ganzen Land verbreitete Gelbbauchunke ist heute fast komplett aus unserer Landschaft verschwunden. Ausschlaggebend für diese Entwicklung ist vor allem der Verlust an geeigneten Laichgewässern für die eigentlich nicht sehr anspruchsvolle, aber im Vergleich zu anderen Amphibienarten an sehr spezifische Lebensraumbedingungen gebundene Art. Die im Rahmen des Gelbbauchunkenschutzes notwendige Schaffung und die langfristige Erhaltung geeigneter Lebensräume stellen ein nicht zu unterschätzendes Unterfangen dar. Zusätzlich müssen solche Flächen meist durch aufwendige Ansiedlungsprojekte mit Tieren bestückt werden, da eine natürliche Zuwanderung ausgeschlossen werden kann. Vor allem die Vernetzung der Vorkommen stellt eine sehr große Herausforderung dar.

Aufzucht und Ansiedlung der Gelbbauchunke.

Schutzmaßnahmen

Im Hinblick auf die Stärkung der Art wurde von 2016 bis 2018 von SICONA ein erstes Projekt zur Aufzucht und Ansiedlung von Gelbbauchunken in die Wege geleitet, durch das bereits ein neues Vorkommen der Art gegründet werden konnte.

Seit 2026 werden über einen Zeitraum von fünf Jahren weitere Ansiedlungen durchgeführt. Sie gründen auf adulten Wildtieren, die in einer temporären Aufzucht für Nachwuchs sorgen. Die Ansiedlungen der hervorkommenden Kaulquappen – rund 3.000 Stück bis 2026 – erfolgen in Gebieten, in denen speziell für die Gelbbauchunke geeignete Lebensräume geschaffen und langfristig erhalten werden.

Um längeren Dürreperioden entgegenzuwirken, wurden erstmals sogenannte „Unkenbecken“ aus Beton eingesetzt. Diese künstlichen Kleinstrukturen können Wasser länger speichern und bieten somit auch bei anhaltender Trockenheit geeignete Entwicklungsbedingungen. Mit Hilfe der durch die Bauchzeichnung der Unken möglichen Individualerkennung konnten im Rahmen des jährlichen Monitorings bisher 90 verschiedene erwachsene Tiere am ersten Ansiedlungsgebiet nachgewiesen werden. In den beiden Gebieten der Ansiedlung von 2026 konnten im Sommer viele junge Unken beobachtet werden, der weitere Erfolg der Maßnahmen wird hier in einem ab 2027 erfolgenden Monitoring dokumentiert.

Es bleibt weiterhin spannend, wie sich die Gelbbauchunken-Vorkommen in den Projektgebieten entwickeln werden!

Zum Weiterlesen:

Schneider, S. & L. Glesener, 2023. In situ-Ansiedlung der Gelbbauchunke in Luxemburg. Artenschutzmaßnahmen und deren Abhängigkeit von Witterungs- und Klimabedingungen. In: Expertenbrief Landschaftspflege, Verlag Eugen Ulmer, 3/2023.

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